BI Gerald Czech : Sein Einsatz beim Waldbrand in Griechenland

Ende August 2007 startete eine österreichisches Hilfskontingent nach
Griechenland, um dort bei der Bekämpfung der verheerenden Waldbrände zu helfen,
die über 60 Todesopfer forderten. Neben 25 Mann des österreichischen
Bundesheeres auch 3 Spezialisten des OÖ-Landesfeuerwehrkommandos. Darunter auch
ein Kamerad der FF Hartkirchen - unser Lotsen- und Nachrichtenkommandant BI
Gerald Czech. Lesen sie hier, wie sich dieser schwierige Einsatz aus seiner
Sicht abspielte:
Sonntag, 26.08.2007 - Alarmierung
Kurz nach 14.00 Uhr bekomme ich einen Anruf von OBR Ing. Hubert Schaumberger
über einen eventuellen Waldbrand - Hilfseinsatz in Griechenland in der Dauer
von voraussichtlich bis zu 10 Tagen (3 Flughelfer zur Unterstützung des ÖBH).
Ich packe meine persönlichen Rucksack und um ca. 17.30 bekomme ich die Info,
dass der Einsatz erforderlich ist.
Montag, 27.08.2007 - Flug nach Elefsina
Um 07.00 Uhr treffen wir uns in der OÖLFS zur Verladung der 1000l
Löschwasser-Behälter und Geräte. Wir, das sind BR Christian Huemer (AFK
Gmunden, Einsatzleiter Feuerwehr), AW Siegfried Stögermaier (FF Wels,
Mechaniker) und ich - OAW DI Gerald Czech (FF Hartkirchen und OÖLFV,
Kommunikation).Um 08.30 Uhr treffen wir bei der 1. Hubschrauberstaffel im
Fliegerhorst Hörsching ein.
Um 10.15 Uhr starten die beiden AB 212 Hubschrauber Richtung Griechenland.
Unser Gepäck (50 kg / Person) und unsere Ausrüstung wird gewogen und in die
C130 (Hercules Transportflugzeug) verladen. Vor dem Start lernen wir noch die
gesamte Einsatzmannschaft kennen. Außer uns sind 25 Mann vom Bundesheer
(Piloten, Techniker, fliegerischer EL, Technischer Offizier, etc.) unter der
Führung von Obst. (Colonel) Gerold Doblhammer dabei.
Von den gemeinsamen Flughelfer-Ausbildungen kenne wir schon einige der
Kameraden, doch sollten wir uns im Laufe der kommenden Woche noch viel besser
kennen lernen.Um 13.45 starten wir in Hörschung und nach exakt 3h Flugzeit
landen um 17.45 Ortszeit (1h Zeitverschiebung) in Elefsina. Elefsina ist ein
großer Militärflughafen nordwestlich von Athen. Unseren Kontaktoffizier der
griechischen Feuerwehr bringt uns zur ersten Übernachtung in unser Hotel. Die
Hubschrauber bleiben diese Nacht auf der Insel Korfu.
Dienstag, 28.08.2007 - Erster Einsatz
Am Morgen werden wir wieder nach Elefsina gebracht. Um 09.15 Uhr landen die
Hubschrauber und um 11.45 Uhr die 3 Pilatus Porter (PC-6) Flächenflugzeuge.
Zwei der Flugzeuge haben je einen 800l Wassertank und eine Maschine Sitzplätze
als Aufklärungsflugzeug.


Nach mehreren Besprechungen mit der griechischen Einsatzleitung bzgl.
Einsatzgebiet, Aufgaben, Funkfrequenzen, etc. werden um 15.30 Uhr die ersten
Wassertransportflüge durchgeführt. Einsatzziel ist die Insel Euböa östlich vom
griechischen Festland. Beim Betanken der PC-6 mit Wasser durch uns
Feuerwehrflughelfer, stellen wir fest, dass die Kupplungen am TLF der
griechischen Flughafenfeuerwehr ein anderes Maß (Nato-B) haben als unser
Einfüllstutzen. Wir tauschen die Schraubkupplung gegen das griechische Modell
aus und organisieren uns eine Schlauchleitung vom Hydranten der Feuerwache
direkt neben der Landebahn. Dadurch geht die Betankung der PC-6 wesentlich
schneller und sicherer als vom TLF.
Am Abend besucht der griechische Ministerpräsident Costa Karamanlis die
Airbase. Unsere Kommandanten (Feuerwehr, Bundesheer) und Piloten nehmen am
Empfang teil. Wir verbleibenden Flughelfer und Techniker warten die Ausrüstung
und das Fluggerät.
Beim Briefing am Abend stellt sich heraus, dass die Anflugsstrecke für die PC-6
zu lange ist und auch die AB 212 20 min mehr Einsatzdauer hätten, wenn wir auf
ein Airbase weiter östlich verlegen würden. Erst nach 22.30 Uhr kommen wir ins
Hotel zurück.
Mittwoch, 29.08.2007 - Verlegung nach Tatoi
Die ersten 2h flogen die Hubschrauber wieder wie am Vortag von Elefsina aus auf
die Insel Euböa. Die Hubschrauber schöpfen dabei das Wasser aus dem Meer und
haben dadurch kurze Turn-Around-Zeiten zum Brandherd. Nach 2h müssen sie jedoch
zum Flughafen zurückkehren um Sprit zu tanken. Heute wurden uns zwei weitere
Hubschrauber unterstellt: Ein slowenischer AB 402 mit einem 1000l Bambi Bucket
und ein norwegischer AB 412 (ähnlich AB 212 jedoch 3000 PS und größerer
Hauptrotor) einer Privatfirma mit einem 3000l Bambi Bucket.

Währenddessen wurde am Flughafen die Verlegung auf die zur Insel Euböa näher
gelegene Air Base Tatoi vorbereitet. Mit einem LKW der Hellenic Air Force,
einem selbstmitgebrachten Ford Transit des ÖBH und 3 Überstellungsflügen der
PC-6 wurden wir und alles notwendige Material nach Tatoi verlegt. Ich musste
gleich beim zweiten Flug der PC-6 mit, um die Löschwasserversorgung für die
beiden anderen PC-6 in Tatoi möglichst rasch herzustellen. Als ich dort ankam
hatten die griechischen Kameraden bereits eine Dieselpumpe mit formbeständigem
Schlauch an der Landebahn aufgestellt. Wir konnten sofort wieder mit der
Betankung beginnen und die PC-6 flogen schon wieder mit einer Turn-Around-Zeit
von 30 Minuten. Das war mehr als doppelt so schnell wie in Elefsina. Auch
unsere, nunmehr vier Hubschrauber verloren weniger Zeit für die Tankstopps und
konnten unentwegt aus dem Meer schöpfen und löschen.

Am heutigen Tag wurden auch erste Wartungsarbeiten an unseren Löschkübeln
notwendig. In der Mittagspause wechselte AW Siegfried Stögermair gemeinsam mit
einem Hubschraubertechniker den Stellmotor eines Löschkübels. Das Motorgehäuse
und vor allem der elektrische Anschluß waren durch das Salzwasser stark
korrodiert. Dank der schnellen Arbeit und den richtigen Ersatzteile wurde der
Flugbetrieb keine Minute aufgehalten. Von nun an entwässerten wir bei jedem
Tankstopp die Gehäuse der Stellmotoren. Am Abend wurden die Kübel von uns einer
genauen Sichtprüfung unterzogen, mittels Flughafen-TLF, genauso wie die
Hubschrauber gewaschen und die beweglichen Teile eingefettet. Zusätzlich habe
ich heute noch einen Stecker (Kabelverbindung Stellmotor zu Hubschrauber)
repariert.
Donnerstag, 30.08.2007 - Brand unter Kontrolle
Am heutigen Tag zeigte der massive Einsatz von gestern seine Früchte. Erste
Brandherde wurden gelöscht und das Zielgebiet wurde von der griechischen
Einsatzleitung etwas weiter nördlich auf Euböa verlegt. Unsere Tätigkeiten
blieben die gleichen:
Beim Start Einhängen der Löschkübel am Lasthaken der über uns schwebenden
Hubschrauber und anschließend zur Landebahn eilen um die dort gerade
ankommenden Pilatus Porter zu betanken. Diese kehrten dann alle 30 Minuten
zurück. Beim Tankstopp der Hubschrauber mussten wir zuerst wieder die
Löschkübel aushängen, bevor die AB 212 landen konnten.


Nach dem heutigen Einsatz waren die meisten Brandherde unter Kontrolle oder
bereits vollständig gelöscht. Eine Verlegung nach Hause wurde erstmals in
Erwägung gezogen.
Freitag, 31.08.2007 - MörderhitzeHeute war der heißeste Tag des
Einsatzes. Nachmittags wurden 42 Grad Celsius im Schatten gemessen. Die
Temperaturen auf dem betonierten Landeplatz waren fast unerträglich. Dies
führte zu einigen Schwierigkeiten, zumal durch die grosse Hitze die Brände
wieder aufflammten.
Das slowenische Pilotenteam verließ heute den Einsatzort, wurde jedoch durch
einen schwedischen Hubschrauber mit einem 2000l Bambi Bucket ersetzt. Der
schwedische Hubschrauber war nur mit einem Piloten, ohne Techniker besetzt. Der
mutige Mann flog nicht nur die Einsätze alleine, sondern war auch alleine in
17h Flugzeit in zwei Tagen mit Übernachtung in Klagenfurt von Schweden nach
Tatoi geflogen.
Die Hitze forderte noch einen weiteren Tribut. Das mit starkem Isolierband
mehrfach am Gehänge befestigte Kabel eines Löschkübels löste sich durch die
starke Hitze und der Stecker ging heraus, wodurch der Kübel vom Hubschrauber
aus nicht mehr geöffnet werden konnte. Wir verstärkten die in unserem Gebiet
seit Jahren bewährte Befestigung des Kabels mit zusätzlichen Kabelbindern und
behoben somit das Problem in der Mittagshitze auf der Landebahn.

Die verbleibenden Brände wurden trotz der großen Hitze gelöscht. Deshalb
verlegten auch die 3 Pilatus Porter am heutigen Tage wieder nach Hause nach
Langenlebarn. Zur Verabschiedung kam auf Einladung unseres Herrn Oberst der
österreichische Botschafter aus Athen auf unsere Air Base. Er interessierte
sich dabei für die Hubschrauber, die Löschkübel und das österreichische
Feuerwehrwesen. Am Nachmittag stand auch unserer Rückverlegung fest. Wir fuhren
zur Verabschiedung nach Athen zur Hauptfeuerwache, wo sich unser liebgewonnener
Freund - der griechische Verbindungsoffizier von uns verabschiedete. Er musste
am nächsten Morgen sofort auf den Peloponnes. Zum Abschied sagte er: "Many; many
thanks for helping and greetings to Austria and my friend Hubert!" Er
kennt OBR Schaumberger Hubert von ihrer gemeinsamen internationalen Tätigkeit
im Resort der Waldbrandbekämpfung. Bzgl. dieser Tätigkeit wurden weitere
gemeinsame Schritte vereinbart.
Samstag, 01.09.2007 - Rückflug nach Hörsching
Am heutigen morgen machten wir Flughelfer mit einem AB 212 einen einstündigen
Rundflug im Einsatzgebiet der Insel Euböa um das endgültige "Brand Aus"
verifizieren zu können. Die Brände waren zwar tatsächlich alle gelöscht, aber
die größte Insel Griechenlands bietet einen verheerenden Anblick: Zirka die
Hälfte des Waldes ist niedergebrannt, die Orte konnten mit einem kaum noch
vorhandenen Grünstreifen gerettet werden und einzeln stehende Häuser waren bis
auf die Grundmauern niedergebrannt.
Danach ging alles schnell. Wir flogen zurück nach Elefsina, wo bereits der in
der Früh beladene LKW (Steyr 680!) angekommen war. Wir verluden unsere
Ausrüstung in die Hercules und um 13.30 Uhr starteten wir bereits vom
Militärflughafen Richtung Linz.
Bei unserer Ankunft wurden wir von vielen Reportern, LBD Johann Huber, OBR Ing.
Hubert Schaumberger, LH Josef Pühringer, Obst. Andreas Putz und einem Brigadier
begrüßt. Nach einem Abschlußfoto und mehreren Interviews verluden wir unsere
Ausrüstung, brachten diese zurück in die Landesfeuerwehrschule und stellten wie
nach jedem Einsatz die Einsatzbereitschaft wieder her.
Resumee
Bei den Löschflügen wurden in 49 Flugstunden 193.000 Liter Wasser abgeworfen.
Ein Löschangriff vom Boden aus wäre nicht möglich und sinnvoll gewesen. Die
jahrelange Zusammenarbeit der Feuerwehrflughelfer und der Hubschrauberstaffel
hat sich glänzend bewährt. Hierzu ein Auszug aus dem Einsatztagebuch unseres
Kommandanten: "Wir fühlen uns aber nicht als Helden, sondern als Helfer, die ihr
Spezialhandwerk in vielen Einsätzen und Übungen gelernt und im Rahmen eines
internationalen Hilfseinsatzes erfolgreich mit den Kameraden des ÖBH angewendet
haben."

Für mich persönlich waren es einige Dinge die mich sehr bewegt haben und wofür
ich mich bedanken möchte:
-
Die geniale - frohsinnige Führung unseres Herrn Oberst Gerold Doblhammer
-
Die griechische Gastfreundschaft und Kameradschaft der Feuerwehr sowie der
Hellenic Air Force
-
Die spontane Dankbarkeit der Bevölkerung: z.B. eine alte Frau die uns das
einfach auf offener Strasse gesagt hat oder das in 2 Meter Buchstaben
geschriebene "Thank's" am Strand wo unserer Hubschrauber Wasser schöpften
-
Die tolle Kameradschaft nicht nur unter uns drei Flughelfern, sondern vor allem
der Staffelbesatzung aus Hörschung die uns wie selbstverständlich in ihre
Reihen aufgenommen haben.

Ich bin dankbar, dass ich Helfen und soviel Gutes von allen Beteiligten erfahren
durfte! Ich werde jederzeit wieder fliegen - egal wo die Feuerwehr gebraucht
wird!
"Glück ab - Gut Land"
(alle Fotos: Österreichisches Bundesheer)
Links mit Fotos und anderen Berichten
Der Bericht auf Fireworld
Beindruckende Fotos aus dem Einsatzgebiet
Fotos 1
Fotos 2
Der Bericht in "Willkommen Österreich"
Video